Geschichte


1990:
Die Gründung des Kunst- und Kulturvereins Rheinsberg am 8. September ist die Geburtsstunde des Festivals.

1991: Mit der legendären Inszenierung der Matthus-Oper „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" beginnt die Erfolgsgeschichte des Festivals. Im Heckentheater steht Mozarts „Gärtnerin aus Liebe" auf dem Spielplan. Fortan wird es alle zwei Jahre eine Mozart-Oper geben. Prof. Claudia Eder, Sängerin und Musikpädagogin aus Mainz, leitet den ersten Meisterkurs am neuen alten Musenhof und ist dem Festival bis heute verbunden.

1992/ 1993: Mit „Ein Sommernachtstraum" (Benjamin Britten) und „Die Heimkehr des Odysseus" (Claudio Monteverdi) gibt es zwei weitere spektakuläre Inszenierungen auf der Schlossinsel, dem Areal zwischen Schloss und Grienericksee. 1993 weihen die Sänger des Meisterkurses mit einem Mozart-Abend den Spiegelsaal im Schloss als Konzertsaal für die Kammeroper ein.

1994: Erstmals wird die Schlosstheaterruine Kulisse für Opernaufführungen: Die beiden Einakter „Vom Fischer un syner Frau" von Othmar Schoeck und „Angélique" von Jacques Ibert werden von 3sat aufgezeichnet. Im Heckentheater inszeniert John Dew „Montezuma" von Carl Heinrich Graun ohne Bühnenaufbauten, dafür in eindrucksvollen goldfarbenen Kostümen. Bis heute unvergessen!

Erstmals gibt es eine Inszenierung in der St. Laurentiuskirche. „Das Spiel von Körper und Seele", eine geistliche Oper von Emilio de Cavalieri und eine der ersten Opern überhaupt, findet hier einen idealen Aufführungsort.

1995: Bewerberrekord. 554 Sängerinnen und Sänger aus 25 Ländern nehmen am Gesangswettbewerb teil.

Christian Thielemann dirigiert „Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss. Aufführungsorte: Schlosshof und Schlossinsel.

In der Ruine des Schlosstheaters erklingen Ausschnitte aus Mozarts „Zauberflöte". Der legendäre Opernregisseur August Everding erarbeitet mit den jungen Sängern diese Szenen.

1996: Erste internationale Koproduktion: „Walder" von Georg Benda wird in Zusammenarbeit mit der schwedischen Vadstena-Akademie erarbeitet und sowohl in Vadstena als auch in Rheinsberg aufgeführt.

Erstmals beginnt das Festival mit einer Operngala.

Uraufführung im Schlosshof: Fünf junge Komponisten haben zusammen „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern" von Peter Hacks (nach einem Text von Goethe) vertont.

Erste Operette: „Komm in die Gondel" ist der Titel für Szenen aus „Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß. Die Gondeln gleiten auf dem Rhin entlang.

1997: Die internationale Zusammenarbeit wird fortgesetzt. Partner ist diesmal die Britten-Pears-School. Benjamin Brittens Oper „Albert Herring" wird im Rheinsberger Heckentheater mit den jungen Musikern aus England aufgeführt. Am Rhin – zwischen Marstall und Schloss – erklingt „Undine" von E.T. A. Hoffmann. Eine zauberhafte Spielstätte für diese Zauberoper.

1998: Das Jahr der Gastspiele. Stockhausens „Am Himmel wandre ich", die Inszenierung aus dem Jahr 1997, „wandert" nach Leipzig und zum Schleswig-Holstein Festival. Die Kammeroper veranstaltet eine Musical-Gala im Gestüt Neustadt-Dosse. In St. Petersburg wird die Matthus-Oper "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" mit Sängern der Kammeroper aufgeführt.

Kooperationspartner des Jahres ist das Opernhaus in Toronto (Kanada). Dort gibt es ein Vorsingen im Rahmen des Wettbewerbs.

Die Operngala findet auf Grund der großen Resonanz zweimal statt.

1999: Die Operngala findet von nun an dreimal statt. Die Petersburger „Cornet" - Inszenierung erhält in Moskau die „Goldene Maske", den höchsten russischen Theaterpreis.
Die Kammeroper fördert in Zusammenarbeit mit der Vera und Volker Doppelfeld Stiftung eine behinderte junge Sängerin. Die Aufführung der Mono-Oper „Die menschliche Stimme" von Francis Poulenc mit der blinden Sopranistin Gerlinde Sämann wird ein großer Erfolg.

Partnerland ist Österreich. In der Festivalleitung gibt es einen Wechsel: Rainer Schwarz wird Festivalmanager und Geschäftsführer.

Jahreswechsel 1999 – 2000: Einweihung des wieder aufgebauten Schlosstheaters mit der Uraufführung der Matthus-Oper „Kronprinz Friedrich". Dirigent Rolf Reuter, Regisseur Götz Friedrich, Sänger der Kammeroper und die 14 Berliner Flötisten.

2000: Erstmals gibt es zum Auftakt eine konzertante Aufführung: „Werther" von Massenet in Kooperation mit der Philharmonie Baden-Baden unter Leitung von Werner Stiefel. Rheinsberg kooperiert dem Schlesischen Musikfestival „Die Verständigung" in Wroclaw, Polen, und vergibt einen Sonderpreis.

Wiederaufnahme der Oper „Kronprinz Friedrich" im Festivalsommer.

2001: Highlight des Sommers: „Der unendliche Gesang des Orpheus" – musikalische Wanderung durch den Rheinsberger Schlosspark mit dem Finale „Orpheus in der Unterwelt" im Schlosstheater. Regie: Ursel und Karl-Ernst Hermann.

„Kronprinz Friedrich" wird aufgrund der großen Publikumsresonanz erneut im Schlosstheater aufgeführt.

Ausschreibung zur I. Rheinsberger Opernwerkstatt junger Komponisten und Librettisten

2002: Der Gesangswettbewerb findet in Berlin und in Sankt Petersburg statt.
Zum Festivalauftakt erklingt konzertant die Oper „Iphigenie in Aulis" von Christoph Willibald Gluck. Beginn der Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Braunschweig.

Anlässlich des 200. Todestages von Prinz Heinrich gibt es die Uraufführung des von Anton Perrey geschriebenen Stücks „Iphigenie in Rheinsberg oder Prinz Heinrich inszeniert eine Oper" mit Musik aus „Iphigenie auf Tauris" von Gluck. Angelica Domröse inszeniert und spielt Prinz Heinrich. Ein großer Erfolg, so dass kurzfristig eine zusätzliche Aufführung angesetzt wird.

2003: Wettbewerbs-Vorsingen in New York, speziell auch für die konzertante Aufführung von Gershwins „Porgy and Bess" zum Festivalauftakt. Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Braunschweig.

Die Opernwerkstatt junger Komponisten und Librettisten wird mit zwei Probenphasen (Februar in Rheinsberg, Dezember in Berlin) fortgesetzt.

Die Stiftung Vera und Volker Doppelfeld den Förderpreis „Kammeroper Schloss Rheinsberg". Die Preisträger sind: Marco Jentzsch, Ulrike Mayer, Anna-Clara Carlstedt. Diese private Stiftung hilft noch sieben weitere Jahre mit dem Förderpreis jungen Sängerinnen und Sängern der Kammeroper ihre Ausbildung zu vervollkommnen.

2004: Die Kammeroper gastiert mit einer Operngala bei Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt. Kurt Masur dirigiert. Über 6000 Besucher kommen. In Rheinsberg inszeniert Harry Kupfer die Händel-Oper „Otto und Theophanu" im Schlosstheater. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Im Heckentheater ist Mozarts „Zauberflöte" der Publikumsrenner.

Ein großer Erfolg wird die Uraufführung der sechs Szenen junger Komponisten der I. Rheinsberger Opernwerkstatt unter dem Titel „Vielleicht war ich ein Azteke". Damit ist es gelungen, das neue Projekt – die Förderung junger Komponisten und Librettisten – durchzusetzen.

2005: Die Kammeroper feiert 15jähriges Jubiläum. Wettbewerbsort ist diesmal neben Berlin auch Athen. Erstmals kommen Sänger, deren Karriere in Rheinsberg begann, zurück, um ein Benefizkonzert für ihre jungen Kollegen zu geben. „Von Rheinsberg an die MET" – der Titel ist Programm, die Publikumsresonanz so groß, dass kurzerhand die Generalprobe öffentlich gemacht wird.

Nun „singt" sogar der See am Schloss. Das Publikum lauscht auf den Fahrgastschiffen, die vor dem Schloss auf Position gehen, den Abend- und Volksliedern, die vom Ufer aus erklingen. „Der Singende See" – das gibt es seither wohl nur in Rheinsberg.

Die II. Opernwerkstatt stellt Szenen wiederum aus sechs neu entstehenden Werken im Schlosstheater vor.

2006: Das Festival wird im Beisein von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, des Stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg Schönbohm und Ministerin Prof. Johanna Wanka festlich eröffnet.

In Kooperation mit dem Nationaltheater Prag erlebt die Oper „Antigona" von Josef Myslivecek ihre deutsche Erstaufführung. Im Herbst wird die Inszenierung mit den Sängern der Kammeroper am Nationaltheater Prag gezeigt.

Der Beitrag zum Mozart-Jahr sind im August die Aufführungen von „Così fan tutte", bei denen erstmals das RIAS-Jugendorchester in Rheinsberg spielt.

Die Rheinsberger Opernwerkstatt wird mit einem Workshop fortgesetzt.

2007: Ausverkaufter Auftakt mit Webers „Freischütz". Großen Anklang findet auch die musikalische Parkwanderung „Auf der Suche nach dem Liebestrank" verbunden mit Donizettis Oper „Der Liebestrank" im Schlosstheater.

Mit dem Bariton Aris Argiris starten die „Benefiz-Recitals" zugunsten der Kammeroper. Solisten werden fortan „ehemalige" Rheinsberger Sänger sein.

12. August: Das Benefizkonzert des Bundespräsidenten im Land Brandenburg findet bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg statt. Preisträger der Kammeroper und die Brandenburger Symphoniker unter Leitung von GMD Michael Helmrath bieten mit Duetten des Belcanto ein hochkarätiges Programm. Bundespräsident Horst Köhler trägt sich in das Goldene Buch ein.

8. Dezember: Im Hafendorf Rheinsberg wird im Beisein von Ministerpräsident Matthias Platzeck und mit einem Gala-Konzert der Kammeroper die Siegfried Matthus Arena eingeweiht und steht seither während der Festivalzeit als Ausweichspielstätte zur Verfügung.

2008: So „bunt" war die Länderliste noch nie. Preisträger aus 16 Ländern sind vertreten, darunter erstmals ein Sänger aus Indien: Amar Muchhala. Er singt die Partie des Georg in Boieldieus Oper „Die Weiße Dame". Den Aufführungen dieser selten gespielten Oper im Schlosstheater folgt eine nächtliche Parkwanderung mit Spukgestalten aus Opern.

Die erste Rheinsberger Sängernacht beginnt am frühen Abend mit Konzerten im Schlosstheater und im Spiegelsaal sowie im Park und endet mit einem großen Musik- und Lichtspektakel am dem Schloss gegenüber liegenden Seeufer.

Das Heckentheater feiert 250. Geburtstag. Die Kammeroper verwandelt es in einen Palast für Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail".

Nach langjähriger Restaurierung steht der Schlosshof wieder für die Operngala zur Verfügung.

Unter dem Titel „Sehnsüchte" sind die Ergebnisse der III. Rheinsberger Opernwerkstatt zu sehen.

2009: Die Kammeroper ist erneut Gast bei Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt – diesmal mit Szenen aus Bizets „Carmen".

Im Schlosstheater steht Benjamin Brittens tragisch endende Oper „Der Raub der Lukrezia" auf dem Plan. Wie einst im antiken Athen wird dem Publikum aber nach der Tragödie ein Satyrspiel zum heiteren Abschluss des Opernabends geboten. Man wandert dazu in den Schlosshof.

Zum zweiten Mal gibt es die Rheinsberger Sängernacht – diesmal mit der weltberühmten Sopranistin Anja Silja als Stargast.

Kooperationspartner ist das Kammermusiktheater Sankt Petersburg. Dessen Künstlerischer Leiter und international renommierte Regisseur Yuri Alexandrov inszeniert im Heckentheater Tschaikowskys „Eugen Onegin".

2010: 20 Jahre Kammeroper. Der Jubiläumssommer beginnt heiter mit der halbszenischen Aufführung der Operette „Frau Luna" von Paul Lincke in einer speziellen Rheinsberger Fassung.

Beim Sängerfest zum Jubiläum gibt es gleich vier Programme unterschiedlichster Art an einem Abend, darunter die deutsche Erstaufführung der Oper „Fewej" des russischen Komponisten Wassili Paschkewitsch nach einem Libretto von Katharina II., die Wiederaufnahme von „Iphigenie in Rheinsberg oder Prinz Heinrich inszeniert eine Oper" diesmal inszeniert von Frank Matthus, der auch den Prinzen Heinrich spielt.

Wettbewerbsort ist neben Berlin die Oper in Stockholm.

2011: Für Monteverdis „L' incoronazione di Poppea" verlegt Regisseurin Arila Siegert die Bühne in die Mitte des Schlosstheatersaales. Die jungen Musiker des Ensembles „Concerto +14" begleiteten – verteilt im Saal - die Sänger auf historischen Instrumenten.

Für Telemanns musikalisches Lustspiel „Pimpinone" wird erstmals der Billardsaal des Schlosses zur Spielstätte.

Wettbewerbsorte sind Berlin und Sankt Petersburg.

2012: „300 Jahre Friedrich der Große" ist das Thema des Jahres. Dazu gibt es mit „Kronprinz Friedrich" von Festivalchef Siegfried Matthus die passende Oper. Regisseur Kay Kuntze bringt eine eindrucksvolle Neuinszenierung auf die Bühne des Schlosstheaters. Im Spiegelsaal des Schlosses erklingen „Friedrichs Opernträume".

Für die Inszenierung von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro" hat die Kammeroper den international gefragten Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli verpflichtet.

Der Wettbewerb findet in Berlin und in der Kammeroper Wien statt.

2013: Wagner-Jahr! Im Schlosstheater zeigt die Kammeroper einen „Tannhäuser" - allerdings nicht den vom Meister Wagner, sondern eine Parodie von Johann Nepomuk Nestroy, für die Carl Binder einst die Musik schrieb. Ein Riesenspaß für das Publikum.

Erstmals seit 10 Jahren wird im Schlosshof mit Rossinis „Der Barbier von Sevilla" wieder große Oper gespielt.

Die Kammeroper trauert um ihren langjährigen Geschäftsführer Rainer Schwarz.

2014: Im April feiert Festivalgründer Siegfried Matthus 80. Geburtstag. Zum Auftakt seiner letzten Saison als Künstlerischer Leiter erklingt eine seiner bedeutendsten Opern: „Judith". Der konzertanten Aufführung geht ein Festakt zu Ehren des Jubilars voraus, bei dem Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst die Laudatio hält.

Wie im Jahr zuvor ist Sankt Petersburg zweiter Wettbewerbsort, denn geplant war, zwei Opern nach Texten von Alexander Puschkin in Rheinsberg und im Kammermusiktheater Sankt Petersburg aufzuführen. Durch den politischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine gelingt diese Kooperation nicht. Die beiden Einakter „Mozart und Salieri" von Nikolai Rimski-Korsakow sowie „Mavra" von Igor Strawinsky können aber im Rheinsberger Schlosstheater mit russischen Sängern aufgeführt werden.

Die Fusion der Kammeroper Schloss Rheinsberg und der Musikakademie Rheinsberg zur Musikkultur Rheinsberg gGmbH wird vollzogen. Dr. René Serge Mund wird Geschäftsführer.

Im August - nach der letzten Aufführung von Mozarts „Zauberflöte" im Heckentheater - übergibt Siegfried Matthus den symbolischen Schlüssel an den Nachfolger. Sein Sohn Frank Matthus ist ab 1. September Künstlerischer Direktor der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

2015: Viel Neues im 25. Festivaljahr!
Eine Trilogie großer romantischer Opern, in denen bewegende Frauenschicksale im Mittelpunkt stehen, Uraufführungen und neue unkonventionelle Formate – mit diesem Konzept hat Frank Matthus die Künstlerische Leitung der Kammeroper Schloss Rheinsberg von seinem Vater Siegfried Matthus, dem Gründer des Festivals, übernommen. Das Publikum nahm die Neuerungen an. 80 Prozent durchschnittliche Platzauslastung sprechen dafür. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf erreichten mit 400 000 Euro Rekordhöhe.

Die Saison begann mit einem Barockfest und der Aufführung der Oper „Amadigi“ von Händel im Heckentheater. Die Sänger sangen, anders als sonst hier üblich, ohne elektroakustische Verstärkung was ein "anderes Hören" verlangte. Die oberen Ränge der „Hecke“ waren dem Catering vorbehalten, so dass diese beliebte Spielstätte eine ganz neue Atmosphäre erhielt.

Bei den anschließenden Operngala-Abenden sorgte Frank Matthus mit einer launigen Moderation für frischen Wind. Drei warme Sommernächte im Schlosshof taten ein Übriges, populären Arien und großen Stimme mit Freude lauschen zu können. Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt spielte und Rbb-Kulturradio zeichnete erstmals eine Operngala live mit all dem begleitendem „Schwalbengezwitscher“ auf.

Ein Höhepunkt der Saison war die Uraufführung der Oper „Adriana“. Die bekannte Autorin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich hatte das Libretto verfasst – eine Liebesgeschichte unserer Zeit – vertont von Marc-Aurel Floros. Erstmals spielte die Kammerakademie Potsdam in Rheinsberg. Keine „schrägen“ Töne, dafür wuchtiger Wohlklang in Anlehnung an Pucchini und Strauss – Floros‘ Komposition zeigte, dass neue Musik auch ohne avantgardistische Experimente auskommt.

Die erste große Frauenoper der geplanten Trilogie inszenierte Frank Matthus selbst: Verdis „La Traviata“, eine der meist gespielten Opern der Musikgeschichte. Die drei Hauptpartien waren doppelt besetzt, die kleinen Partien sogar dreifach, denn diese Sänger übernahmen dann auch die choristischen Aufgaben, unterstützt von Tänzerinnen der Jugendkunstschule Neuruppin. Auch diesmal spielten im Heckentheater wieder die Brandenburger Symphoniker.

 „Barock trifft Rock“ – auch ein ganz neues Format mit Musik und Information in einer Matinee. Erstmals gab es während des Festivals eine Jazz-Session mit Big Brass Neuruppin, der Bigband aus Neuruppins Partnerstadt Bad Kreuznach und selbstverständlich Sängern der Kammeroper.

Empfang beim Bundespräsidenten
Anlässlich ihres Jubiläums war die Kammeroper am 29. September zu Gast beim Bundespräsidenten Joachim Gauck und seiner Lebensgefärtin Daniela Schadt im Schloss Bellevue. "Seit 25 Jahren gibt es jetzt die Kammeroper, das Festival ist damit so alt wie die deutsche Einheit und es ist auch ein besonders schönes Kind der deutschen Einheit“ sagte Gauck vor den geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.  Beim anschließenden Wandelkonzert überzeugten sechs der 40 Kammeroper-Preisträger dieses Jahrgangs mit drei Programmen. In der Galerie im Erdgeschoss traf Oper auf Jazz mit Daria Rositckaia (Russland) und J. Warren Mitchell aus den USA. Im Langhanssaal des Schlosses entführten Alexandra Samouilidou (Griechenland)  Georg Bochow (Deutschland) die Schlossgäste in die Barockzeit. Im Festsaal gaben Alejandro Lárraga-Schleske (Mexiko) und Victoria Kunze (Deutschland) ein kleines Mozart-Konzert. Die Pianisten Olav Kröger, Matthias Samuil und Andrei Diakov begleiteten die Sänger,

2016: In ihrem 26. Internationalen Gesangswettbewerb erlebte die Kammeroper  wiederum einen regelrechten Ansturm auf die ausgeschriebenen Partien des Festivalsommers. Das bewies einmal mehr die große Bekanntheit und das Renommee des Festivals in den Musikzentren der Welt. 400 junge Opernsänger hatten sich für den Wettbewerb angemeldet. Sie kamen aus 43 Ländern - von Armenien bis Zypern – und von fünf Kontinenten – Australien, Asien, Europa, Nord- und Südamerika. Vorsingen gab es in Toronto und Moskau.

Mit  Puccinis Oper „Tosca“ wurde die vom Künstlerischen Direktor Frank Matthus konzipierte Trilogie „Frauenopern in der Romantik“ open air im Heckentheater fortgesetzt. Allein fünf Künstler aus Kanada waren dafür nach Rheinsberg gekommen: Dirigent Gordon Gerrard, Regisseur Brian Deedrick und die Bühnen- und Kostümbildnerin Bretta Gerecke. Eine der beiden Toscas (die drei Hauptpartien waren doppelt besetzt) sang die kanadische Sopranistin Jessica Lane und Scarpia war Tyler Fitzergerald ebenfalls aus Kanada. Mit dem Vorsingen in Moskau wurden auch wieder interessante russische Talente entdeckt, sowie Yulia Yurenkova als Tosca. Aus Griechenland und den USA kamen die beiden Cavaradossi: Angelos Samartzis und J. Warren Mitchell. Der amerikanische Bariton Jared Ice war der zweite Scarpia.

Händels beinahe 300 Jahre alter Oper „Alcina“ mischte der Berliner Komponist Mark Scheibe moderne Klänge bei. Das Rheinsberger Schlosstheater wurde zur Insel der Zauberin Alcina, die auch das Publikum mit in ihr Reich nahm. Mit Attilio Cremonesi arbeitete ein international renommierter Experte für Alte Musik mit den jungen Sängern.   

„Mozart in 90 Minuten“ – ist das möglich? Der junge britische Sänger und Autor Christopher Holman wollte es mit diesem Stück, das am 1. Juli uraufgeführt wurde, beweisen. Spaß und Witz nicht über, sondern mit Mozart war dabei die Devise. War jener doch sowohl  der geniale Komponist als auch ein großer Komödiant.  Auszüge aus der „Zauberflöte“ aus den drei Da Ponte Opern „Don Giovanni“, „Die Hochzeit des Figaro“ und „Così fan tutte“ sowie aus einigen Instrumentalwerken erklangen in Kurzfassung. Die Sänger brachten alles in komödiantischem Rhythmus mit Aerobic- und Rap-Einlagen auf die Bühne im Rheinsberger Schlosshof.

Bei den beiden Konzerten im Spiegelsaal kam erstmals ein Hammerklavier zum Einsatz, womit in dieser Spielstätte ganz neue Klangerlebnisse entstanden.  Die Operngala wurde von einem Pantomimen (Elias Liermann) „moderiert“. Jazz Fetz  mit Big Brass Neuruppin erlebte nach dem furiosen Start im Vorjahr eine erfolgreiche Neuauflage.

2017: Am 27. Internationalen Gesangswettbewerb mit den Finalrunden in Berlin und Moskau hatten 350 Sängerinnen und Sänger aus 42 Ländern teilgenommen.

Erstmals waren Preisträger des aktuellen Jahrgangs schon vor der Festivalsaison in Rheinsberg zu hören: Am Ostersamstag gaben „Carmencitas und Toreros“ ihren Rheinsberg-Einstand mit einem Konzert im Schlosstheater. Am Pfingstsonntag hatten drei weitere Preisträger den musikalischen Part bei der „Fête à la Rococo“ übernommen

Am 30. Juni begann die Saison mit dem „Singenden See“. Wieder wartete das Festival mit einer Uraufführung auf. „Tucholskys Spiegel“ von Christoph Klimke (Text) und James Reynolds (Musik), gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, wurde am 21. Juli im Schlosstheater erfolgreich uraufgeführt. Angenommen von Kritik und Publikum! Diskutiert und wiedergehört.
Kurt Tucholsky (1890 – 1935) war einer der bedeutendsten gesellschaftskritischen Publizisten seiner Zeit. Vieles schrieb er unter Pseudonym. Er war: Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser - und natürlich: Kurt Tucholsky. Theatralisch fünf Persönlichkeiten in ein und derselben Person nachzuspüren ist die dramaturgische Idee der Oper Tucholskys Spiegel. Der bekannte Countertenor Jochen Kowalski übernahm die „Tucholskys Alter Ego“ als Gast. Marc Niemann dirigierte, Robert Nemack führte Regie. Es musiziert die Kammerakademie Potsdam.

Das Ringen um das Genre Zeitgenössische Oper wurde in der Woche vor der Uraufführung in einem internationalen Symposium thematisiert. Die Komponisten Luca Lombardi, Marc-Aurel Floros, Charlotte Seither, Zeynep Gediziloglu, Siegfried Matthus und Olav Kröger diskutierten. Die Musikwissenschaftlerin Ulrike Liedtke und der DJ Andi Teichmann referierten. Es war eine Bestandsaufnahme zur Zeitgenössischen Oper. Bereits im Mai hatte die Kammeroper zum Internationalen Symposium „Kurt Tucholsky – die Bezirke seines Lebens“ eingeladen. Die teilnehmenden Literaturwissenschaftler und Publizisten, unter ihnen der Vorsitzende der Internationalen Tucholsky Gesellschaft, Dr. Ian King, nennen Tucholsky liebevoll „Tucho“, den sie verehren und dessen Leben und Werk sie erforschen.

Mit Carmen von Georges Bizet stand eine der berühmtesten Opern überhaupt auf dem Spielplan des Festivals. Die acht Aufführungen ab 4. August open air im Heckentheater waren gleichzeitig das Finale der vom Künstlerischen Direktor des Festivals Frank Matthus erdachten Trilogie „Frauenopern in der Romantik“. Die Hauptpartien dieser Oper waren doppelt besetzt. Die Inszenierung von Regisseur und Choreograph Giorgio Madia, die jungen Sänger, die Musiker der Jungen Kammerphilharmonie Berlin mit ihrem Dirigenten Aurelién Bello fanden beim Publikum begeisterten Beifall. „Zum Erfolg dieser acht Aufführungen trugen auch die Tänzer der Berliner Schule für Darstellende und Bildende Künste e.V. „Die Etage“ bei.

Tenor J. Warren Mitchell gab am 16. Juli ein Benefizkonzert zugunsten der Kammeroper. Die Koloratursopranistin Susanne Elmark, die beim Festival 1995 ihre Karriere begann und seither an den großen Opern- und Konzerthäusern der Welt auftritt, leitet die Meisterklasse.

Am 19. August ging das Festival mit dem Konzert der Jungen Philharmonie Brandenburg im Rheinsberger Schlosshof noch einmal in die „Verlängerung“. Als Solistin war Nadezhda Orlova – die gefeierte Micaëla in den „Carmen“- Aufführungen zu hören.

Insgesamt kamen über 13 000 Besucher zur den Aufführungen und Konzerten, 2500 mehr als im Vorjahr. Sie erlebten 40 junge Sängerinnen und Sänger aus 18 Ländern, die Preisträger des dem Festival vorausgegangenen Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper. Konzerte in der Landesvertretung Brandenburg in Berlin, zu Ostern und Pfingsten in Rheinsberg sowie in den traditionellen Tour-Orten Bergsdorf, Wandlitz, Läsikow umrahmten das Festival.

Alle Aufführungen – siehe: Chronik

 
   
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